Wenn etwas
passiert ist
Gezerrt, umgeknickt, einen Schlag an den Kopf bekommen. Was in den nächsten Minuten zu tun ist, was in den Tagen danach hilft und wann ein Arzt gefragt ist — für Trainer, Betreuer und Eltern.
Kernkasten
Das Wesentliche in wenigen Sätzen. Wer am Platz schnell handeln muss, liest nur diese Kästen.
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Hintergründe und Details — für zu Hause, wenn Ruhe eingekehrt ist.
01 Die ersten Minuten
Schützen,
nicht behandeln.
Am Spielfeldrand geht es nicht darum, eine Diagnose zu stellen. Es geht um drei Dinge: weiteren Schaden verhindern, einschätzen ob ärztliche Hilfe nötig ist, und die Eltern informieren. Alles Weitere entscheidet sich später.
Spiel oder Training sofort unterbrechen und das Kind vom Platz nehmen. Nicht weiterspielen lassen, auch nicht „nur noch die letzten Minuten“. Ruhig hinsetzen oder hinlegen, verletzte Stelle hochlagern, bei Schwellung locker mit einer Binde komprimieren. Eltern anrufen. Bei Kopfbeteiligung gilt Abschnitt 03.
- Belastung wegnehmen — nicht weiterspielen lassen
- Hochlagern, möglichst über Herzhöhe
- Leichter Kompressionsverband bei Schwellung
- Ruhig bleiben und dem Kind erklären, was passiert
- Notieren, was passiert ist — für Eltern und Arzt
- Dehnen, „ausschütteln“ oder massieren
- Wärme, Sportsalben, Wärmepflaster
- Schmerzmittel geben, damit es weitergeht
- Eis lange und direkt auf die Haut
- Selbst einrenken oder ziehen
Zum Eis hat sich die Empfehlung geändert. Die alte PECH-Regel (Pause, Eis, Compression, Hochlagern) gilt als überholt, weil die Entzündung nach einer Verletzung kein Störfall ist, sondern der Startschuss für die Heilung — Kühlen bremst diesen Prozess. Heute wird Eis nur noch kurz und bei starken Schmerzen empfohlen, nicht als Standardmaßnahme. Wenn gekühlt wird: ein Tuch dazwischen, wenige Minuten, nicht direkt auf die Haut.
Aus demselben Grund sind entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen in den ersten Tagen kritisch zu sehen. Das ist ohnehin nichts, was ein Trainer entscheidet — Medikamente geben ausschließlich die Eltern oder ein Arzt.
02 Zerrung, Prellung, umgeknickt
Was in den
nächsten Tagen hilft.
Die aktuelle Empfehlung der Sportmedizin heißt PEACE & LOVE. Sie löst die alte PECH-Regel ab und dreht den Gedanken um: Nicht möglichst lange schonen, sondern früh und dosiert wieder bewegen. Die ersten Tage gehören PEACE, danach übernimmt LOVE.
Tag 1 bis 3: schmerzhafte Bewegungen meiden, hochlagern, sanft komprimieren — aber nicht komplett ruhigstellen. Ab dann: schmerzadaptiert wieder belasten. Bis an die Schmerzgrenze heran, nicht darüber hinaus. Wer eine Woche komplett stillhält, verlängert die Pause eher, als sie zu verkürzen.
Schützen statt stilllegen. Hochlagern, leichte Kompression, alles vermeiden, was wehtut. Kein Dehnen, keine Wärme.
Sobald die Schwellung zurückgeht: normal gehen, leichte Bewegung im schmerzfreien Bereich. Radfahren oder Schwimmen fördern die Durchblutung.
Erst Kraft und Koordination, dann Tempo, zuletzt Zweikampf. Schmerzfrei laufen, springen und antreten können ist die Mindestvoraussetzung.
PEACE steht für Protection (schützen), Elevation (hochlagern), Avoid anti-inflammatories (Entzündungshemmer und Eis meiden), Compression (Kompression) und Education (verstehen, was passiert). LOVE folgt danach: Load (dosiert belasten), Optimism (Zuversicht — die Psyche beeinflusst den Verlauf messbar), Vascularisation (Durchblutung durch schmerzfreie Ausdauer) und Exercise (gezielte Übungen für Kraft, Beweglichkeit und Koordination).
Besonders nach einem umgeknickten Sprunggelenk ist der letzte Punkt entscheidend: Ohne Stabilitäts- und Koordinationstraining bleibt das Gelenk oft dauerhaft instabil — und knickt beim nächsten Mal leichter wieder um.
03 Kopfverletzungen
Im Zweifel
immer runter.
Der wichtigste Abschnitt dieser Seite. Eine Gehirnerschütterung wird im Fußball häufig übersehen — die Symptome können mild sein oder erst Stunden später auftreten. Gefährlich wird es, wenn ein Kind mit einer unerkannten Gehirnerschütterung weiterspielt und einen zweiten Schlag abbekommt.
„If in doubt, take him out.“ Beim geringsten Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ist das Kind sofort und endgültig aus dem Spiel zu nehmen — keine Diskussion mit dem Kind, den Eltern oder dem Trainerteam. An diesem Tag kehrt es nicht mehr aufs Feld zurück. Eltern informieren, ärztlich abklären lassen, und das Kind bis dahin nicht allein lassen.
- Bewusstlosigkeit, auch nur kurz
- Benommenheit, Verwirrtheit, leerer Blick
- Schwindel, Übelkeit, Erbrechen
- Kopfschmerz, Sehstörungen, Lichtempfindlichkeit
- Verzögerte Antworten, Erinnerungslücken
- Gleichgewichtsprobleme, unsicherer Gang
- Spiel unterbrechen lassen, Kind vom Platz
- Ansprechbarkeit und Orientierung prüfen
- Auf Nacken und Halswirbelsäule achten — bei Verdacht nicht bewegen
- Eltern anrufen, Vorfall schildern
- Nicht allein lassen, nicht selbst nach Hause fahren lassen
- Ärztlich abklären lassen
Der Grund für die Strenge heißt Second-Impact-Syndrom: Trifft ein zweiter Schlag ein Gehirn, das sich von der ersten Erschütterung noch nicht erholt hat, drohen deutlich schwerere und bleibende Schäden. Deshalb zählt nicht, wie fit sich das Kind fühlt — Kinder spielen Beschwerden regelmäßig herunter, weil sie weiterspielen wollen.
Die Rückkehr läuft in sechs Stufen, jede frühestens einen Tag nach der vorherigen: 1. vollständige Ruhe, Sportverbot · 2. leichtes, kurzes aerobes Training · 3. fußballspezifisches Intervalltraining · 4. Mannschaftstraining ohne Körperkontakt · 5. normales Mannschaftstraining · 6. Spiel. Treten auf einer Stufe wieder Beschwerden auf, geht es eine Stufe zurück. Bei Kindern und Jugendlichen sollte dieser Aufbau eher zehn Tage umfassen, weil die Erholung länger dauert. Über die Freigabe entscheidet der Arzt, nicht der Trainer.
Der DFB stellt eine Taschenkarte zum Erkennen einer Gehirnerschütterung bereit, die in jede Trainertasche passt — Link unten bei den Quellen. Auch geistige Belastung zählt: In den ersten Tagen sind Schule, Bildschirm und Handy zu reduzieren, nicht nur der Sport.
04 Einschätzen
Wann zum Arzt,
wann Notruf.
Die folgende Einteilung hilft bei der Entscheidung. Sie ersetzt keine Untersuchung — im Zweifel gilt immer die vorsichtigere Variante.
- Bewusstlosigkeit oder zunehmende Eintrübung
- Verdacht auf Wirbelsäulen- oder Nackenverletzung
- Sichtbare Fehlstellung, offener Bruch
- Starke, nicht stillbare Blutung
- Atemnot, Krampfanfall
- Jeder Verdacht auf Gehirnerschütterung
- Gelenk lässt sich nicht belasten oder bewegen
- Schnell zunehmende, deutliche Schwellung
- Hörbares Knacken im Moment der Verletzung
- Taubheit oder Kribbeln
- Platzwunde, die genäht werden muss
05 Danach
Melden, versichern,
zurückkommen.
Jede Verletzung, die ärztlich behandelt wird, gehört unverzüglich gemeldet — und zwar zweimal: als Schadenmeldung an die Sportversicherung und als Information an den Vorstand. Die Schadenmeldung darf der Trainer selbst online ausfüllen, dafür braucht er nur unsere Vereinsnummer. Beim Vorstand meldest Du den Vorfall in jedem Fall, auch wenn Du die Meldung schon abgeschickt hast.
Über die Vereinszugehörigkeit besteht Versicherungsschutz bei Sportunfällen; die Jugendordnung des HFV verpflichtet den Verein ausdrücklich dazu, dafür zu sorgen. Getragen wird das über die Sportversicherung des Landessportbunds Hessen bei der ARAG. Gemeldet wird über die Online-Sportschadenanzeige — zügig und nicht erst, wenn Rechnungen eintreffen.
So geht die Meldung: Das Formular findest Du unter arag.de → Sportversicherung Hessen im Abschnitt „Im Schadensfall“. Versicherungsbüro ist Hessen — LSB H, Frankfurt. Die Vereinsnummer, die das Formular abfragt, erfährst Du beim Vorstand — sie steht aus gutem Grund nicht öffentlich auf dieser Seite.
Bereithalten solltest Du: Wann und wo ist es passiert, was genau ist passiert, welche Mannschaft, Name und Geburtsdatum des Kindes, ob ein Arzt aufgesucht wurde. Deshalb lohnt es sich, den Vorfall noch am selben Tag kurz aufzuschreiben — aus der Erinnerung wird es eine Woche später ungenau.
Quellen & Links
Stand der Empfehlungen: geprüft August 2026.
- Dubois B, Esculier J-F: Soft-tissue injuries simply need PEACE and LOVE. British Journal of Sports Medicine 2019 — Grundlage der aktuellen Akutbehandlung. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- Apotheken Umschau: PEACE & LOVE statt PECH-Regel — warum Eis bei Sportverletzungen schadet (medizinisch geprüft, Mai 2026). apotheken-umschau.de
- Fußballverband Rheinland, Kommission Fußball und Gesundheit: Kopfverletzungen im Fußball — Vorgehen auf dem Platz und Sechs-Stufen-Rückkehr. fv-rheinland.de
- DFB: Taschenkarte zum Erkennen einer Gehirnerschütterung (Concussion Recognition Tool, deutsch). dfb.de
- Landessportbund Hessen: ARAG-Sportversicherung — Umfang und Schadenmeldung. landessportbund-hessen.de
- HFV-Jugendordnung § 3 — Verpflichtung des Vereins, für Versicherungsschutz bei Sportunfällen zu sorgen. hfv-online.de